APRIL 14, 2022

Fail Fast — Warum Fuck Ups zum Erfolg führen

Unternehmer von heute sind Kämpfer. Aufgeben:
keine Option. Man könnte ja der neue Mark Zuckerberg werden.

Unternehmer von heute sind Kämpfer. Aufgeben: keine Option. Man könnte ja der neue Mark Zuckerberg werden.

Aber wisst ihr was, Fuck Ups gehören dazu. Und Scheitern bedeutet nicht das Ende. Es kann sogar der Anfang einer großartigen Innovation sein. Wie bei vielen Dingen im Leben, kommt es dabei aber auf das richtige Timing an. Die Devise lautet nämlich:

Fail fast.

Doch was braucht, um möglichst schnell zu scheitern, bevor es ungemütlich wird?

Ist es der richtigen Riecher für die eigenen Stats und zukünftige Trends? Der bisherige Erfahrungsschatz? Oder ist doch nur Verlass auf das eigene Bauchgefühl?

Pannen, Ausrutscher und Irrtümer – ich sitze bei einer FuckUp Night, in der das Scheitern gefeiert wird. Warum? Weil ich daraus lernen will. Und rund gelutschte Erfolgsgeschichten mir langsam aus den Ohren heraushängen.

Ich grinse breit, als ein mutiger Machertyp erzählt, wie er Millionen in den Sand gesetzt hat. Und die Menge applaudiert, nachdem ein erfolgreicher CEO eingesteht, wie er plötzlich wieder ganz unten anfangen musste. Der Applaus gilt dabei nicht nur seiner Stehaufmännchen-Mentalität. Sondern auch als Dank, dass er zu seinem größten Ausrutscher steht und damit andere davor bewahrt, Fehlentscheidungen zu treffen.

Fehler sind menschlich und wer Laufen lernen will, muss hinfallen. Aber eben auch wieder aufstehen. 

Und darum geht es: Fuck Ups gehören dazu. Scheitern bedeutet nicht das Ende. Es kann sogar der Anfang einer großartigen Innovation sein. Wie bei vielen Dingen im Leben, kommt es dabei aber auf das richtige Timing an. Die Devise lautet nämlich:

Fail fast.

Scheitern als neuer Masterplan

Ab wann sollte man ein Projekt abbrechen? Ist es ratsam, mit dem Kunden noch weiter zusammen zu arbeiten? Und zu welchem Zeitpunkt stellt man die Kampagne lieber ein? - Fragen über Fragen, die sich ergeben, wenn bei einem Projekt irgendetwas nicht rund läuft.

Ist der richtige Zeitpunkt dann vorbei, wird es nicht nur ärgerlich. Sondern vor allem teuer.

Aber mal Hand aufs Herz: Unternehmer von heute sind Kämpfer. Aufgeben: keine Option. Stattdessen wird dort noch etwas nachgebessert. Da noch eine Stellschraube gedreht. Bloß nicht abbrechen. Man könnte ja der nächste Mark Zuckerberg werden. Und am Ende, siegt dann doch die Reue – während die Welt einen doch schon genug bestraft.

Doch was braucht man denn nun, um möglichst schnell zu scheitern, bevor es ungemütlich wird?

Ist es der richtigen Riecher für die eigenen Stats und zukünftige Trends? Der bisherige Erfahrungsschatz? Oder ist doch nur Verlass auf dein Bauchgefühl? 

Fail Fast – eine Definition

Fail Fast steht für das schnelle Scheitern. Arbeitest du mit deinem Team an einem Projekt, solltet ihr nicht lange Schnacken, sondern euch ein schnelles Feedback einholen. Denn nur dieses ermöglicht es, in einer frühen Phase des Prozesses, Fehler aufzudecken.

So erkennst du, welchen Wert die Performance eurer Aktivitäten überhaupt hat. Lohnt es sich weiterzumachen oder müsst ihr einen neuen Ansatz testen?

Kurz heißt diese Methode Inspect & Adapt und ist überhaupt nichts Neues. Es ist das Prinzip der permanenten Verbesserung und sagt aus, dass nach jedem Sprint überprüft werden soll, wo man steht und was erreicht wurde.

Gibt es Verbesserungspotenzial, muss angepasst werden, bevor am Ende (ob erfolgreich oder nicht) eine lösungsorientierte Lessons-Learned-Sitzung durchgeführt wird.

Fail Fast geht aber noch einen Schritt weiter: Wenn ein Projekt schlecht anläuft oder sich negativ entwickelt, dann warte nicht zu lang. Finde heraus, woran es liegt. Und zwar in einer schnellen, aber effizienten Analyse. Wird das Projekt nicht zum Erfolg führen, beende es. Sofort.

Sonst verschwendest du Zeit und Geld.

Richtig scheitern in der Praxis

Die Praxis sieht meist so aus: Unternehmer haben unheimliche Angst vorm Scheitern. Fehler sind ein Desaster und stehen im harten Kontrast zum Erfolg. Aus dieser Angst entwickelt sich eine Scheu davor, Risiken einzugehen.

Die Chefs von heute gehen lieber den sicheren Weg und geben ungern ihre Kontrolle ab. Kompetenzen und Verantwortungen werden selten an andere übergeben, um Probleme zu vermeiden. Und tun sie es dann noch einmal, überträgt sich die Angst vor Fehlern auf die Mitarbeiter, die nichts Neues ausprobieren und sich vor negativen Reaktionen ihres Vorgesetzten fürchten.

Hier ist ganz klar ein Umdenkprozess gefordert: Fehler sind okay. Sie bieten die Chance zu Verbesserung und Wachstum. So solltest du lernen, besser zu früh als zu spät damit umzugehen. 

Doch wie kannst du Fehler schnell aufdecken?

Dazu solltest du auf jeden Fall in der Lage sein, Daten schnell zu analysieren und auszuwerten, um die gesamte Performance deiner kürzlichen Aktivitäten zu messen. Fast Data heißt der neue Trend, bei der die Daten über alle relevanten Kanäle in Echtzeit erzeugt werden – schnelles Feedback für dein Team also. So kannst du Risiken direkt einschätzen, unmittelbar reagieren und auf deren Basis wichtige Entscheidungen treffen. Die beste Voraussetzung, um aus Misserfolgen, aber eben auch aus Erfolgen lernen zu können.

Agile Unternehmen reflektieren ihre Handlungen und nutzen neuartige Business Intelligence Systeme, um das volle Potenzial eines Projektes zu entfalten. Oder eben, um es rechtzeitig abzublasen. Das dahinterstehende Team wird nicht dazu gedrängt, das Projekt schnell abzuschließen. Strenge Deadlines adé. Denn so leidet die Qualität. Stattdessen werden die Mitarbeiter in jeden Arbeitsschritt involviert, um Fehler schnell aufzudecken und in Zukunft zu vermeiden.

Mensch und Maschine gehen hier also Hand in Hand. Doch auch deine Erfahrungen und deine Intuition als Manager sind ständig gefragt.

Kopf in den Sand stecken war gestern. Probleme lassen sich nur beheben, wenn ihre Ursachen aufgedeckt werden – das ist das Prinzip hinter Trial & Error. Dabei ist nicht nur Experimentierfreude gefragt. Sondern vor allem Mut.

Implementiert einfache und kostengünstige Prototypen – auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Testet eure (minimal crappy) Products  – vielleicht sogar zwei verschiedene Versionen davon.

Und lernt aus euren Fehlern.

Die Großen machen es vor. Der Facebook-Praktikant, der es innerhalb kurzer Zeit schaffte, die Plattform lahmzulegen, wurde nicht gekickt. Er ist heute einer der Top-Programmierer des Konzerns. 

Netflix haut fast täglich neue Funktionen auf den Markt. Aber zieht diese auch schnell wieder zurück, wenn sie nichts taugen. Angst davor, dass die User mal eine 303-Fehlerseite vor die Nase bekommen – haben die nicht.

Fail fast. Learn fast. And improve faster.

Die Angst Fehler zu machen - sitzt sie auch dir ständig im Nacken?

Ja, wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Erfolg zählt. Doch bedeutet Erfolg immer nur, alles auf Anhieb richtig zu machen? Ist Erfolg nicht viel eher ein Prozess, in dem man Geschäftsabläufe versteht und deren Auswirkungen richtig einschätzt?

Ein Prozess, in dem man auch mal mit Mut und Experimentierfreude handelt – und nicht immer nur nach einem strikten Plan, der kaum Spielraum für neue Ansätze bietet. No risk. No fun. Macht Fehler. Und steht dazu.

Es ist unsere Generation, die einen Wandel im Umgang mit Fehlern bewirken kann. Dabei geht es nicht darum, leichtsinnig zu handeln oder Fehler mehrmals zu begehen. Es geht um das Lernen aus Fehlern und darum, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wie wäre es statt der herkömmlichen After Work-Party mit Kicker und Bier beim nächsten Mal mit einer Fuck Up Night Light in eurer Firma? Stellt euch eurer Angst vor Fehlern. Und redet offen über das, was schief lief. Damit es das nächste Mal besser läuft. Keine Sorge, auf das Bier müsst ihr dabei nicht mal verzichten.

Werdet Vorreiter des neuen Spirits der Gesellschaft und entstigmatisiert das Scheitern in der Gesellschaft. Dieser Weg wird definitiv keine Fehlentscheidung sein.