APRIL 19, 2022

MVP — Warum große Erfolgsstories mit etwas ganz Kleinem beginnen

Warum große Erfolgsstories mit etwas ganz Kleinem beginnen

Mit einem halbfertigen Produkt an den Markt gehen… WHAAAT? Was völlig irre klingt, steht in der Lean-Startup-Szene schon längst an der Tagesordnung. Denn wer versichert dir, dass dein perfekt ausgefeiltes Produkt auch Käufer findet und dir zum absoluten Durchbruch verhilft?

Moderne Unternehmen machen es vor und setzen auf Minimum Viable Products, die langwierige und kostenintensive Entwicklungsphasen durch viel Mut zum Ausprobieren ablösen.

Wenn du bei der Entwicklung deines ersten Produkts noch mit unbändigem Perfektionismus vorgehst, dann lehn dich zurück und lies diesen Artikel. Denn so sparst du dir in Zukunft Zeit, Geld und Sorgenfalten.

Schauen wir uns mal den Unternehmer von heute an: Mit unbegrenzter Euphorie arbeitet er an der Umsetzung seiner Idee. Genau nach seinen Vorstellungen. Rundum perfekt eben.
Dabei schießt er auch ganz schnell mal über das Ziel hinaus. Bessere Konzeption. Längere Entwicklungsarbeit. Mehr Features. Mehr mehr mehr.

Klingt nach einem ehrgeizigen und erfolgreichen Typen, oder?

Was wir hinter der „perfekten Illusion“ aber total vergessen, sind die enormen Kosten und der riesige Aufwand dahinter. Und was passiert, wenn die Zielgruppe dann keinen Bock auf das vermeintlich makellose Produkt hat? Da hat sich ein riesiges Projektteam Jahre zurückgezogen und viel Arbeit investiert, um die Bedürfnisse aller potenziellen Kunden zu befriedigen. Und dann bleibt der Erfolg einfach aus.

Das Produkt bleibt unbrauchbar. Und der Gründer verschwindet genauso schnell von der Bildfläche, wie er gekommen ist. So wie es 80 Prozent aller Startups ergeht*. Perfektionismus ist manchmal eben gefährlich.

KISS statt FuckUp

Willst du als Unternehmer lieber die neuesten Trends der anderen 20 Prozent der Startups nutzen, mach`s dir einfach. Keep it short and simple - KISS. Ohne Kopfzerbrechen. Ohne Schnick Schnack. Ohne FuckUps.

Revolutioniere deine Markteinführung, indem du ein Produkt auf den Markt bringst, was (noch) nicht perfekt ist. Ganz im Gegenteil: es hat nur wenig Features, kommt ohne lange Entwicklungsphase aus und wird blitzschnell veröffentlicht.

Ja wir wissen, das wirft dein unternehmerisches Weltbild nun völlig auf den Kopf. Und entspricht so gar nicht deinen Vorstellungen von der ersten Version, die allen ein begeistertes Wow entlocken soll und auf Hochglanz poliert ist.

Doch keine Sorge, sogar im Silicon Valley steht es längst an der Tagesordnung, ein minimal überlebensfähiges Produkt auf den Markt zu bringen. Denn innovative Startups müssen Ideen schnell umsetzen, um flexibel auf neue Anforderungen und das Feedback ihrer Zielgruppe reagieren zu können.

Ein solches Produkt heißt MVP. Gemeint ist ein Minimum Viable Product, das kleinste realisierbare Produkt – eine erste Version, die schnell hergestellt wird und über die wichtigsten Funktionen verfügt. 

Und das Prinzip ist gar nicht so neu und trendy. Denn die Großen zeigen schon lange, wie es geht.

Berühmte Minimum Viable Products

Die Idee stammt aus der Lean-Startup-Bewegung, die mit einfachen Mitteln und schlanken Prozesse auskommt. Das Motto: lieber schnell umsetzen und unter realen Marktbedingungen testen, als ein Produkt auf den Markt bringen, was keiner braucht.

Einige der größten Startups der Szene haben genauso gestartet:

Dropbox startete mit einem Erklärvideo, dass 70.000 Beta-User über Nacht einbrachte. Bevor es die Software überhaupt gab.

Auch Spotify glänzte anfangs mit beispielhaftem Funktionalismus. Es gab nur eine Funktion, die das Musikhören ermöglichte. Erst mit dem Kundenfeedback bauten die Gründer immer mehr Features ein und es wuchs etwas ganz Großes heran.

Noch einfacher machte es sich der Founder vom Onlineshop Zappos. Der spazierte nämlich in einen Schuhladen, fotografierte dort einige Paare ab und lud seine Pics auf einen minimalistisch gestalteten Webshop hoch. Sobald jemand Schuhe bestellte, ging er zurück ins Geschäft, kaufte die Schuhe und verschickte sie. Und zwar solange, bis er sicher war: das funktioniert. Heute ist er um 1,2 Milliarden Dollar reicher, weil ihm der Riese Amazon die Plattform Zappos abkaufte.

Wahrscheinlich erkannte sich der Amazon-Gründer Jeff Bezos in dieser Strategie wieder. Denn tatsächlich startete der reichste Mann der Welt mit demselben Prinzip. Klar hatte der Gründer den Traum von einem riesigen Online-Marktplatz, der alles übertrumpft. Trotzdem begann er mit einem MVP - einem einfachen Webshop, in dem er Bücher vertrieb. Auf teure Anschaffungen oder ein riesiges Lager konnte er dabei verzichten, denn wer ein Buch kaufte, bestellte es geradewegs bei dem dahinterstehenden Händler. Dass dieses Konzept bald Früchte trug und zu einem Imperium heranwuchs, wissen wir alle.

Baue nicht gleich ein Produkt, dass alles kann

Fest steht: Es gibt keine bessere Methode, um früh in den Markt einzusteigen, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und diese in die Entwicklung des perfekten Produkts zu stecken.

Längst veraltet? Zu kompliziert? Oder völlig am Markt vorbei?

Du brauchst Feedback für alle Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle - auch wenn du glaubst, dass deine Kunden sie brauchen und kaufen. Deswegen solltest du neue Produkte erst einmal mit möglichst wenig Kosten und Ressourcen am Markt testen und durch die Interaktion mit deiner Zielgruppe nach und nach verbessern.

Baue nicht gleich ein Produkt, das alles kann. Starte lieber mit einer Basis, die das wichtigste Problem deiner Zielgruppe löst. And that's it.

Richtig. Dazu musst du über deinen Schatten springen. Tatsächlich erfordert das manchmal mehr Selbstdisziplin als die Entwicklung des perfekten Produkts. Du startest nun einmal mit einem Bild vom Markt, der heiß auf deine Innovation ist.

Veränderst du aber deine Herangehensweise, ist es gar nicht mehr so wild, ein “halbfertiges Produkt” auf den Markt zu bringen. Sieh es einfach als Test, bei dem das Feedback deiner Kunden an erster Stelle steht. Dieser zeigt in einer sehr frühen Phase deiner Produktentwicklung, ob das MVP überhaupt angenommen wird. Oder ob du eine komplett andere Richtung einschlagen musst.

Die großen Vorteile dahinter:

  • Du kannst schnell am Markt starten
  • Du findest heraus, wie dein Produkt ankommt
  • Dein finanzielles Risiko 
  • Du verschwendest keine Ressourcen
  • Du entwickelst dein Produkt nicht an der Zielgruppe vorbei
  • Du kannst schnell auf die Bedürfnisse deiner Zielgruppe reagieren
  • Und dein Produkt perfektionieren

Und vor allem brauchst du kein Crack im Programmieren oder in der Produktentwicklung zu sein.

Bau einfach eine simple Website über einen Baukasten im Internet. Nutze Tools und moderne Frameworks, mit denen du in nur wenigen Tagen ein MVP entwickelst. Erledige die Dinge selbst, die später in die Hände von Profis gelegt werden.

Bei einem MVP kann es sich um folgende Versionen handeln:

  • Prototyp
  • Mock-Up
  • Beta-Version
  • Muster
  • Modell
  • Smoke-Test
  • Erlkönig
  • Produktprobe
  • Landingpage
  • Crowdfunding-Kampagne
  • Etc.

Je mehr du deinen Kunden liebst, desto besser wird dein Produkt

Ob Landing Page, App mit Kernfunktionen oder eben das minimal überlebensfähige Produkt mit nur einer Funktion – ein MVP muss deinen Kunden bereits einen Nutzen bieten, wenn auch auf die wesentliche Kernfunktion beschränkt. Lass alles weg, was nicht unbedingt notwendig ist. Doch kreiere es dennoch brauchbar und überzeugend für deine Zielgruppe.

Sonst stirbst du auf dem Markt ganz schnell ab.

Tritt daher unbedingt schon vor Markteintritt mit deiner Zielgruppe in Kontakt und erfülle deren Wünsche mit deinem MVP. Worin liegt das Problem deiner Zielgruppe? Wie kannst du es lösen? Und wofür soll dein Produkt stehen?

Die zentrale Funktion des späteren Produktes muss erfüllt werden: der USP (Unique Selling Point). So schaffst du eine Basis für schnelles Wachstum und Skalierbarkeit. Im Laufe der Zeit kannst du das Spektrum an Funktionen durch Kundenfeedback und Rückmeldungen anpassen, verbessern und erweitern.

Ziel ist nicht der große Umsatz. Sondern konkrete Zahlen. Und echte Meinungen. Denn die sind sowieso viel mehr wert.

Wie du an konkrete Zahlen und echte Meinungen kommst?

Durch Tracking, Umfragen, A/B Testings, Ads oder spaßiger: einen gemeinsamen Abend mit einigen deiner Kunden und einer guten Flasche Wein.

Warum dir dein Produkt peinlich sein muss, damit du Erfolgsgeschichte schreibt

Mach dir dabei aber eines gleich bewusst: Du wirst nicht alle mit deinem MVP glücklich machen, denn es ist kein Massenprodukt. Und treibt dir vielleicht auch die Schamröte ins Gesicht, weil es noch nicht deinen Vorstellungen entspricht.

Doch was heißt es, wenn der MVP nicht den Vorstellungen deiner Traumkundschaft entspricht? Wieder Bewerbungen schreiben und den Traum von deinem Millionen-Startup an den Nagel hängen? 

Pustekuchen, denn trotzdem hast du einen gewaltigen Fortschritt gemacht. Nimm das Feedback deiner Kunden, um neue Ideen zu generieren und einen weiteren Versuch zu wagen. Entwickle nun ein Produkt, was zu 100 Prozent den Wünschen deiner Kunden entspricht.

Scheitern wird immer Teil deines Erfolgs sein und umso eher die schmerzhafte Erkenntnis vom riesigen Reinfall erfolgt, desto besser. Fail Fast!

Maximaler Erfolg mit minimalem Aufwand

Der Grundsatz bei der Erstellung eines MVPs lautet: Build. Measure. Learn. And Repeat.

Solange, bis du ein außergewöhnlich tolles Produkt kreiert hast. Und damit die Welt veränderst. Schnell, agil und kostengünstig. Ohne Sorgenfalten und schlaflose Nächte.

Worauf es bei deinem MVP ankommt:

  • Marktforschung statt Risiko
  • Geschwindigkeit statt Perfektion
  • Fokus statt Ganzheitlichkeit
  • Nutzen statt Eigenschaften
  • Ersparnis statt Umsatz

Der ganze Digitalwahn treibt dir trotzdem ein Denker-Sixpack auf deiner Stirn? Kein Ding, denn es ist unser Job, Prozesse zu optimieren und digitale Lösungen für dein Unternehmen zu finden. Wir definieren deine Zielgruppe, entwickeln dein MVP und platzieren es schnell am Markt, bevor wir ein optimales Vorgehen für die Weiterentwicklung deines perfekten Produkts finden.



Quellen:
*https://www.gruenderpilot.com/wie-viele-startups-scheitern/